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Wer es ruhiger und anspruchsvoller mag als an den Tourismus-Hochburgen, ist im Landkreis Tübingen richtig. Diese Kulturlandschaft liegt eingebettet zwischen dem dichten Grün des Naturparks Schönbuch und der steilen Traufkante der Schwäbischen Alb. Das Terrain hat sich unter der Dachmarke „Früchtetrauf“ einen Namen gemacht. Das Schwäbische Streuobstparadies ist nicht nur landschaftlich prägend, sondern seit kurzem auch immaterielles UNESCO-Kulturerbe. 1,5 Millionen Obstbäume vereinen sich mit historischer Dichte. Ein lohnendes Reiseziel.
Reiseziele im Landkreis Tübingen

Der Landkreis Tübingen beheimatet davon rund 158.000 Obstbäume, zu denen auch geschmacksintensive Lokalsorten wie der „Jesinger Sämling“, der „Wildling von Einsiedel“ oder historische Varianten wie die „süsse Schafnase“ und der „Borstdörfer“ zählen, die bereits Ende des 18. Jahrhunderts dokumentiert wurden. Wer sein Reisemobil abstellt und auf das Fahrrad oder in die Wanderschuhe wechselt, taucht ein in eine Welt aus Streuobstwiesen, geologischen Phänomenen und jahrhundertealter Universitätsgeschichte. Eine Reise durch den Landkreis Tübingen ist eine Spurensuche – häufig auf Premiumwanderwegen. Die Region vereint Naturerlebnis mit Kunst, Literatur und Geschichte.

Tübingen: Universität, Eiszeitkunst und Lotte Reiniger
Tübingen atmet Geschichte und profitiert zugleich von der jugendlichen Dynamik seiner Studierenden. Mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt Deutschlands präsentiert sich die Stadt an den Ufern des Neckars stets lebendig. Die Universität, gegründet im Jahr 1477 feiert 2027 ihr 550-jähriges Bestehen. Historischer Kern der akademischen Bildung bilden die Alte Aula, die Burse und das Evangelische Stift, aus dem Geistesgrößen wie Hegel und Hölderlin hervorgingen.

Hölderlin verbrachte seine späten Jahre im berühmten Hölderlinturm direkt am Wasser, wo heute noch die traditionellen Stocherkähne geräuschlos vorbeigleiten. Ein Spaziergang durch die verwinkelten Gassen hinauf zum Schloss Hohentübingen führt vorbei an pittoresken Fachwerkhäusern. Im Schloss selbst warten die ältesten figürlichen Kunstwerke der Menschheit aus der Eiszeit, die ebenfalls den UNESCO-Welterbetitel tragen.

Die kulturelle Gegenwart manifestiert sich hingegen in der überregional bekannten Kunsthalle und im Neuen Kunstmuseum Tübingen (NKT). Mit Ausstellungen von Janosch oder Elvira Bach sowie den gesellschaftspolitischen Dialogen von Gregor Gysi hat sich das NKT schnell etabliert. Wer den Weg in das Stadtmuseum findet, entdeckt den Nachlass von Lotte Reiniger. Die Pionierin des Silhouetten-Trickfilms, deren Meisterwerk „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ 1926 Premiere feierte, verbrachte ihre letzten Lebensjahre im nahegelegenen Dettenhausen, wo sie auch bestattet wurde.

Tipp für eine Stadtführung: Um die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erfahren, empfiehlt sich die Themenführung „Tübingens Blaues Band“. Diese geführte Radtour durch die Stadt leitet Teilnehmer von Ost nach West und schließt die Überquerung der 15 Meter hohen Fahrradbrücke am Europaplatz ein. Wer lieber auf dem Wasser bleibt, erhält mit der „Weinprobe auf dem Stocherkahn“ eine abendliche Genussfahrt auf dem Neckar.

Camping-Tipp: Unmittelbar am Ufer des Neckars befindet sich der örtliche Campingplatz Tübingen. Durch die zentrale Lage und die dichte Begrünung ist er ein idealer Ausgangspunkt. Die Innenstadt ist fußläufig oder per Fahrrad in wenigen Minuten erreicht.
Rottenburg: Altes Erbe und neuer Wanderweg am Neckar
Rund zwanzig Kilometer flussaufwärts von Tübingen entfaltet Rottenburg am Neckar seinen ganz eigenen Charakter. Zentrum der Bischofsstadt sind der Dom St. Martin und die verkehrsberuhigte Altstadt. Am Marktplatz reihen sich Cafés aneinander, und bei einem Espresso lässt sich das Treiben um den Marktbrunnen genießen. Rottenburg ruht auf antiker Geschichte. Das Römische Stadtmuseum und das Sülchgau-Museum dokumentieren detailliert die antike Vergangenheit der Siedlung Sumelocenna und den Einfluss der Habsburger Monarchie bis 1806.

Der Neckartal-Radweg führt direkt durch die Stadt und bindet sie perfekt an das überregionale Wegenetz an. Auffällig in der Umgebung ist das Schloss Weitenburg, das hoch über dem Flusstal thront und eine stete Orientierungsmarke am Horizont bietet. Die Infrastruktur für Radfahrer und Wanderer macht die Naturräume entlang des renaturierten Neckars erlebbar.
Wander-Tipp: Der neu konzipierte „bwegt Wanderweg“ verbindet Rottenburg und Tübingen auf einer Länge von 13,9 Kilometern. Die Strecke verläuft von Bahnhof zu Bahnhof und ermöglicht eine klimafreundliche An- und Abreise. Die Route der mittleren Schwierigkeitsstufe erfordert 220 Höhenmeter im Anstieg und 190 Höhenmeter im Abstieg. Ein markanter Punkt ist der 475 Meter hohe Spitzberg mit der weithin sichtbaren Wurmlinger Kapelle, die einen Panoramablick über das Flusstal bietet.

In Rottenburg gibt es einen zentrumsnahen Wohnmobilstellplatz. Durch die Nähe zum Neckartal-Radweg kommt das Equipment direkt zum Einsatz.
Mössingen: Pausa-Areal und nationales Geotop Bergrutsch
Mössingen gilt als das geographische und thematische Zentrum des Früchtetraufs. Die Stadt im oberen Steinlachtal ist umschlossen von dichten Streuobstwiesen, die im Frühling ein geschlossenes Blütenmeer bilden und im Herbst die Obsterträge liefern. Ausgehend vom historischen Pausa-Quartier, das einst eine bedeutende Textildruckerei beherbergte und heute das Streuobst-Erlebniszentrum beheimatet, erschließt sich die Region.


Auch geologisch hat Mössingen ein spektakuläres Ereignis vorzuweisen: den Mössinger Bergrutsch am Hirschkopf. Am 12. April 1983 rutschten hier nach starken Niederschlägen Erdmassen auf einer Breite von 32 Metern ins Tal. Dieses Areal ist heute ein Nationaler Geotop und Teil des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb. Die Natur erobert sich die Abbruchkante zurück, was das Gebiet zu einem faszinierenden Freiluftlabor für Flora und Fauna macht.
Wander-Tipp: Der Premiumwanderweg „Dreifürstensteig“ bietet auf 13,3 Kilometern eine anspruchsvolle, aber lohnende Tour. Nach einem Aufstieg durch Buchenmischwald erreicht man den Dreifürstenstein. An diesem Punkt trafen historisch die Fürstentümer Hohenzollern und Fürstenberg sowie das Herzogtum Württemberg aufeinander. Der Weg folgt teilweise dem Hauptwanderweg HW1 direkt an der steilen Traufkante der Schwäbischen Alb entlang zum Fuß des Bergrutsches.
Mössingen stellt Wohnmobilisten am städtischen Freibad offizielle und kostenlose Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Dieser Platz eignet sich hervorragend, um nach einer anstrengenden Wanderung auf dem Dreifürstensteig direkt ins kühle Wasser des Freibads einzutauchen.
Nehren: Fachwerkarchitektur und historische Obstkultur
Das Dorf Nehren liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Mössingen und zeichnet sich durch einen besonders gut erhaltenen historischen Ortskern aus. Als einzige Gemeinde im Landkreis ist Nehren Mitglied der „Deutschen Fachwerkstraße“. Die Fachwerkhäuser im Zentrum, gruppiert im Dorfkern, fallen durch kleine Wetterdächer über den Etagen und freigelegte Inschriften auf.

Ein markantes Wahrzeichen ist der Fachwerkturm der Evangelischen Kirche sowie das Rathaus mit seinen kräftig blauen Fensterläden. Nehren ist zudem der Geburtsort des Philosophen Hans Vaihinger. Landschaftlich wird der Ort vom Nehrener Kirschenfeld dominiert. In dieser Region wurzelt die Tradition der lokalen Obstsorten tief. Streuobst ist hier kein bloßes Landschaftselement, sondern landwirtschaftliches Erbe, aus dem sortenreine Säfte und edle Destillate gewonnen werden.
Wander-Tipp: Ein Spaziergang auf dem historischen Geschichtspfad durch das Dorf vermittelt die architektonischen Besonderheiten der Fachwerkhäuser. Im Anschluss lohnt sich ein Abstecher hinauf in das Nehrener Kirschenfeld, wo unzählige alte Bäume stehen. Zur Erntezeit können hier die landwirtschaftlichen Abläufe und die traditionelle Verarbeitung des Obstes in den Höfen nachvollzogen werden.

Am Ortsrand von Nehren gibt es einen kostenlosen Stellplatz. Er liegt an einer Bushaltestelle der Kreisverkehrsbetriebe, so dass er auch als Ausweichmöglichkeit für Besuche in Tübingen genutzt werden kann. V/E und Strom sind gegen Gebühr auch erhältlich.
Gomaringen: Schlossanlage und die Hochebene der Härten
Gomaringen markiert einen weiteren charakteristischen Punkt am Früchtetrauf. Das Ortsbild wird maßgeblich vom Gomaringer Schloss bestimmt, in dessen Räumlichkeiten das Gustav-Schwab-Museum untergebracht ist. Die topographische Lage Gomaringens leitet sanft über in die „Härten“, eine weitläufige und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Hochebene. Diese Ebene umfasst die Teilorte Mähringen, Jettenburg und Immenhausen.

Die Härten sind geprägt von weiten Feldern, auf denen im Spätsommer die Erntemaschinen ihre Runden ziehen, während Rotmilane in der Thermik über den abgeernteten Flächen kreisen. Von der Hochebene aus bieten sich weite Panoramablicke auf die bewaldete „Blaue Mauer“ des Albtraufs. In den Flusstälern bei Dußlingen und Ofterdingen finden sich geologische Besonderheiten wie das Ofterdinger Schneckenpflaster, eine Ansammlung fossiler Ammoniten im Flussbett der Steinlach.

Fahrradroute: Die „Große Streuobst-Tour“ ist ein 43 Kilometer langer Themenradweg, der am Pausa-Quartier in Mössingen startet und über Gomaringen auf die Härten führt. Mit rund 400 Höhenmetern ist die Strecke ideal für E-Bikes. Sie führt durch idyllische Täler, passiert das Bläsibad und verlangt einen steilen Anstieg nach Kreßbach, bevor sie flussaufwärts der Steinlach zurück nach Mössingen verläuft.
Für Selbstversorger in Kastenwagen und autarken Wohnmobilen empfiehlt es sich, in der landwirtschaftlich geprägten Gegend um Gomaringen nach kooperierenden Bauernhöfen Ausschau zu halten, die temporäre Stellplätze im Rahmen von Konzepten wie „Landvergnügen“ direkt am Rand der Streuobstwiesen anbieten.
Ammerbuch: Naturpark Schönbuch und der Wilde vom Einsiedel
Im nördlichen Teil des Landkreises markiert Ammerbuch den landschaftlichen Übergang in den dichten Naturpark Schönbuch. Hier wird die Dichte der Streuobstwiesen allmählich vom geschlossenen Wald abgelöst. Ammerbuch und das angrenzende Gebiet haben eine lange Tradition in der Kultivierung historischer Obstsorten, die definitionsgemäß vor dem Jahr 1920 entstanden sind. Eine der prominentesten Lokalsorten ist der „Wildling von Einsiedel“. Dieser Apfelbaum wuchs um das Jahr 1700 als Zufallssämling an der Steige nach Pfrondorf heran, exakt an der Stelle, wo die Bauern traditionell ihre Pflüge abstellten.

Wander-Tipp: Ammerbuch ist der perfekte Startpunkt für ausgedehnte Exkursionen in den Naturpark Schönbuch. Empfehlenswert ist eine ausgedehnte Tagestour, die in Ammerbuch-Entringen beginnt, tief in die schattigen Wälder des Schönbuchs führt und mit einem Besuch der hervorragend erhaltenen Anlage des Zisterzienserklosters Bebenhausen kombiniert wird.
Die Wanderparkplätze am Rand des Naturparks Schönbuch, beispielsweise in der Nähe des Entringer Freibads, bieten oft genug Platz für ein autarkes Wohnmobil. Hier verbringt man die Nacht in absoluter Stille, weit entfernt vom Straßenlärm, und kann morgens direkt in den Wald aufbrechen.
Weiterführende Lesetipps & Quellen
- Kulturlandschaft Tübingen: der Früchtetrauf trifft auf Geschichte und Kunst (tourstory.de)
- Öffentliche Themenführungen (tuebingen-info.de)
- Wandern, Radfahren & Genießen am Früchtetrauf (travelsanne.de)
Auf camp-echo.de/ gibt’s noch mehr Reportagen für Reisemobiltouren.
Transparenz: Die Recherchen für diese Reportage wurden von der Sunlight GmbH mit der Bereitstellung eines Wohnmobils unterstützt. Auf den Inhalt wurde kein Einfluss genommen.
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