Wohnmobiltour Vorarlberg Äpfel

Vorarlberg im Wohnmobil: Kulinarik am Bodensee und im Bregenzerwald

Eine Wohnmobiltour durch Vorarlberg ist geprägt vom Kontrast zwischen der weiten Wasserfläche des Bodensees, der urwüchsigen Flussregion des Bregenzerwaldes und alpinen Höhenzügen am Großen Walsertal. Dies landschaftliche Vielfalt spiegelt sich in einer regional verankerten Kulinarik wider, die stark durch historische Landwirtschaft beeinflusst ist und wo Handwerk und Lebensmittelproduktion eine gewachsene Symbiose bilden.

Wurst und Käsesortiment
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Bregenz: Bodenseefelchen an der Seebühne

Die Landeshauptstadt Bregenz markiert den geografischen Einstieg in die Region. Die Stadt liegt eingebettet zwischen dem Ufer des Bodensees und dem 1.064 Meter hohen Pfänder. Die lokale Gastronomie in der Unterstadt ist stark auf den See ausgerichtet. Das Bodenseefelchen, ein Süßwasserfisch aus der Familie der lachsartigen, nimmt hier eine zentrale Rolle ein. Der Fisch zeichnet sich durch helles, festes Fleisch und einen dezenten, leicht nussigen Geschmack aus. Traditionell wird er im Ganzen in der Pfanne gebraten oder in einem Sud aus Wurzelgemüse gedünstet und mit frischen Petersilienkartoffeln serviert.

Forelle mit Salzkartoffeln
Kiosk in Bregenz
Der Milchpilz gehört zu den kulinarischen Besonderheiten in Bregenz.

Die drei Bregenzer Campingplätze bieten eine solide Basis für Wohnmobile direkt an der Bregenzer Ach. Von hier aus lässt sich das Zentrum mit dem Bus oder über das Radwegenetz am Seeufer ohne Steigungen erreichen. Eine Fahrt mit der Pfänderbahn liefert zudem einen topografischen Überblick über das Rheintal und die ersten Erhebungen des Bregenzerwaldes.

Egg: Knotenpunkt der Käsestraße und Heumilchwirtschaft

Mit der Einfahrt in den vorderen Bregenzerwald verengt sich das Tal. Egg ist das wirtschaftliche Zentrum dieser Region. Der Ort ist zentraler Anker der Käsestraße Bregenzerwald, einem Zusammenschluss von Landwirten und Sennereien. Hier dominiert die silofreie Heumilchwirtschaft. Die Kühe werden im Sommer mit frischem Gras und im Winter ausschließlich mit getrocknetem Heu gefüttert. Der Verzicht auf Gärfutter ist mikrobiologische Voraussetzung für die Herstellung des Bregenzerwälder Bergkäses. In den lokalen Reifekellern von Egg lagern tausende Laibe auf Fichtenbrettern. Sie werden regelmäßig mit Salzwasser gebürstet, bis sich eine Naturrinde bildet und der Käse je nach Reifegrad sein haselnussartiges bis kristallines Aroma entwickelt.

Flammkuchen mit Birnen
Ziegenprodukte

Reisende können in Egg die großen Sennereien direkt ansteuern und sich mit regionalen Produkten für die Wohnmobilküche versorgen. Zwar fehlt ein großer Campingplatz direkt im Ortszentrum, jedoch steuern viele Camper die Plätze in den unmittelbaren Nachbargemeinden an.

Bezau: Regionale Märkte und historische Bahnen

Die Route folgt der Ache in einen weiten, flachen Talkessel zur Marktgemeinde Bezau, dem historischen Handelsort der Region. Jeden Freitagvormittag dokumentiert der Wochenmarkt auf dem Dorfplatz die Dichte der lokalen Lebensmittelproduktion. Landwirte und Senner aus den umliegenden Weilern verkaufen hier handgeschöpfte Süßrahmbutter, verschiedene Reifestufen des Bergkäses, luftgetrocknete Hirschwürste und Speck. Die lokale Gastronomie nutzt diesen direkten Zugang und präsentiert eine reduzierte Alpenküche, die den Eigengeschmack der Grundprodukte in den Vordergrund stellt.

rustikale Pfanne

Bezau verfügt über einen etablierten Campingplatz am Rande des Ortes. Die Stellplätze liegen auf festem Wiesengrund und werden von altem Baumbestand parzelliert. Die Sanitäranlagen sind auf den Betrieb von Wohnmobilen ausgelegt. Zudem endet in Bezau die Trasse der historischen Bregenzerwaldbahn. Auf einem verbliebenen Teilstück betreibt ein Verein heute eine Museumsbahn mit originalen Dampf- und Diesellokomotiven, die Einblicke in die historische Verkehrsanbindung des Tals gewährt.

Mellau: Am Fuß der Kanisfluh und Destillationskunst

Wenige Kilometer weiter südlich ändert sich das Landschaftsbild markant. Das Kalksteinmassiv der Kanisfluh erhebt sich über Mellau. Die Nordseite des Berges bricht in nahezu senkrechten, vegetationslosen Felswänden in das Tal ab. An den steilen, sonnenzugewandten Hängen erfordert die landwirtschaftliche Bearbeitung viel Handarbeit. Neben der Milchwirtschaft pflegt man in Mellau die Tradition der Edelbrand-Destillation. Eine besondere Rarität ist der „Subirer“, ein Brand aus der regionalen Sau-Birne. Die Frucht ist in rohem Zustand sehr hart und von einem herben Geschmack geprägt. Erst durch den schonenden Destillationsprozess entsteht ein erdig-würziges, komplexes Destillat. In den Gasthäusern wird es traditionell als Digestif nach deftigen Gerichten wie der gebundenen Bregenzerwälder Käsesuppe serviert.

Subirer

Im Talboden, direkt an einem Bachlauf gelegen, bietet der Camping Enzian eine ganzjährige Anlaufstelle für Wohnmobile. Der Platz ist naturnah gestaltet und verzichtet auf strenge Parzellierungen. Die Anfahrt von Bezau nach Mellau ist über die gut ausgebaute Landstraße problemlos mit großen Fahrzeugen zu bewältigen. Der Stellplatz dient als direkter Ausgangspunkt für alpine Wanderungen in das Massiv der Kanisfluh.

Au/Schoppernau: Dreistufenwirtschaft und rauchiger Alpbergkäse

In den hintersten Gemeinden des Bregenzerwaldes, Au und Schoppernau, verengt sich das Tal merklich und die alpine Bergwelt rückt unmittelbar an die Dorfgrenzen heran. Hier wird die jahrhundertealte Tradition der Dreistufenwirtschaft noch flächendeckend und aktiv praktiziert. Dieses von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannte landwirtschaftliche System basiert auf der gestaffelten, jahreszeitlichen Wanderung von Mensch und Tier.

Vom Heimbetrieb im Tal zieht das Vieh im späten Frühjahr auf das „Vorsäß“, die mittlere Höhenlage, und im Hochsommer weiter auf die Hochalpe direkt unterhalb der Gipfel. Durch diese Beweidung wird die empfindliche alpine Flora geschont und das nährstoffreichste Futter verwertet. Der auf den Hochalpen oft noch direkt über dem offenen Holzfeuer in Kupferkesseln gekäste Schoppernauer Alpbergkäse ist ein rares Produkt. Er erhält durch den Rauch des Feuers und die alpinen Futterkräuter ein unverwechselbares, rauchig-pikantes Aroma, das ihn deutlich vom im Tal produzierten Bergkäse unterscheidet.

Fisch mit Pommes Frites

Die modernen Bergbahnen am Diedamskopf erschließen das umliegende Berggebiet mühelos bis auf über 2.000 Meter Höhe. In Au bietet der Campingplatz eine gepflegte Infrastruktur für Wohnmobile aller Größen, inklusive modern ausgestatteter Waschhäuser und Trockenräume. Von diesem Standort aus lassen sich die bewirtschafteten Sennereien auf den Vorsäßen hervorragend erwandern, um Käseherstellung in den Sommermonaten zu verfolgen.

Schwarzenberg: Historische Holzarchitektur und deftige Käsknöpfle

Auf dem landschaftlich reizvollen Rückweg in Richtung Rheintal liegt Schwarzenberg. Das geschlossene Ortsbild des Dorfes unterliegt dem Denkmalschutz und wird von den traditionellen Bregenzerwälderhäusern dominiert. Die sonnenverbrannten, dunkelbraunen Schindelfassaden und die kleinen, weiß gerahmten Fenster zeugen von einer funktionalen Handwerkskultur, die den klimatischen Bedingungen der Alpen angepasst ist. Diese massiven Gebäude vereinen Wohnbereich, Stallung und Heulager kompakt unter einem einzigen, ausladenden Dach.

Kulinarisch steht Schwarzenberg unangefochten für die originalen Bregenzerwälder Käsknöpfle. Der frisch gehobelte Spätzleteig wird mit einer dreiteiligen Käsemischung zubereitet. Die genaue Rezeptur variiert leicht von Wirtshaus zu Wirtshaus, verlangt aber zwingend den extrem geruchs- und geschmacksintensiven Vorarlberger „Rässkäse“. Serviert wird das viskose, deftige Gericht stilecht in großen, runden Holzschüsseln, großzügig abgerundet mit in Butter knusprig gerösteten Zwiebeln.

Fischtheke

Das Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg dokumentiert das Leben und Werk der bekannten klassizistischen Malerin in den restaurierten Räumlichkeiten eines alten Bregenzerwälderhauses. Für Wohnmobile stehen im historischen Ortskern primär Tagesparkplätze zur Verfügung; die engen Ortsdurchfahrten erfordern etwas Aufmerksamkeit. Übernachtungen planen Camper idealerweise vorab auf den Plätzen im Talboden oder sie nutzen am späten Nachmittag die landschaftlich beeindruckende, kurvenreiche Bergstraße über das Bödele für die Weiterfahrt in den Raum Dornbirn.

Dornbirn: Schluchtenlandschaft und Vorarlberger Braukunst

viele Brote

Die Route über den Bödele-Pass führt hinab nach Dornbirn, der größten Stadt des Bundeslandes. Geografisch markiert die Stadt den harten Übergang vom flachen Rheintal zu den steilen Felswänden des Bregenzerwaldes. Diese gewaltige Topografie zeigt sich am eindrucksvollsten in der Rappenlochschlucht und der Alplochschlucht, wo sich die Dornbirner Ach über Jahrtausende tief in das Kalkgestein gegraben hat. Die feucht-kühle Luft und das stetige Rauschen des Wassers begleiten Wanderer auf den gut gesicherten Stegen.

Kulinarisch ist Dornbirn das Zentrum der Vorarlberger Braukultur. Die Mohrenbrauerei, die älteste Brauerei des Landes, röstet und maischt hier seit dem 19. Jahrhundert. Das Brauverfahren greift auf weiches Quellwasser aus dem nahen Karrengebirge zurück. Neben den klassischen hellen Schankbieren werden hier Spezialitäten wie fassgereifte Bockbiere gebraut, deren malzige Schwere hervorragend zu den deftigen regionalen Fleischgerichten passt.

Biermuseum Vorarlberg

Das interaktive Museum der Mohrenbrauerei bietet in der Stadt tiefe Einblicke in die historische Brautechnik und regionale Biergeschichte. Mit der Karrenseilbahn erreichen Besucher bequem den Dornbirner Hausberg, der einen weiten Blick über das Bodenseebecken bietet. Der Campingplatz Dornbirn Enz liegt ruhig und naturnah direkt an der Dornbirner Ach, unmittelbar unterhalb der Karren-Talstation. Er bietet parzellierte Stellplätze mit moderner Sanitärinfrastruktur unter altem Baumbestand und ist für Wohnmobile, die über die gut ausgebaute Rheintalautobahn anreisen, problemlos erreichbar.

Lustenau: Weite Rheinebene, Senftradition und würzige Käsdönnala

Den Bregenzerwald hinter sich lassend, öffnet sich die Landschaft in Lustenau zur weiten, flachen Rheinebene. Die Marktgemeinde wird im Westen lediglich durch den kanalisierten Alpenrhein von der Schweiz getrennt. Diese geografische Offenheit spiegelt sich in einer sehr eigenständigen, herzhaften Kulinarik wider. Überregional bekannt ist Lustenau für die historische Senfproduktion.

Fermentationsgefäße Wohnmobiltour

Ein alteingesessenes Familienunternehmen vermahlt hier seit über 100 Jahren Senfsaaten und kreiert Geschmacksbilder, die von klassisch-scharf bis hin zu komplexen Nuancen wie Feige oder Bärlauch reichen. In den örtlichen Bäckereien und Wirtshäusern dominiert zudem die „Käsdönnala“. Dieser herzhafte, dicke Hefefladen wird großzügig mit einer Mischung aus gereiftem Vorarlberger Bergkäse, reichlich Butter und feinen Zwiebelwürfeln bestrichen und bei starker Hitze gebacken. Der intensive Duft von geschmolzenem Käse und Röstzwiebeln ist ein markantes sensorisches Erlebnis beim Streifzug durch den Ort.

Ein technisch-historisches Highlight ist die Fahrt mit der Museumsbahn „Rhein-Schauen“, die auf den alten Dämmen der internationalen Rheinregulierung verkehrt und tief in die Geschichte der Landschaftsgestaltung blicken lässt. Für Wohnmobile bietet die flache Rheinebene zunehmend private Stellplatz-Initiativen auf landwirtschaftlichen Betrieben („Stellplatz mit Genussoption“). Hier können Camper auf festen Wiesen direkt neben Gemüsefeldern übernachten und frische Hofprodukte unmittelbar beim Erzeuger beziehen.

Lauterach: Artenreiche Moorlandschaft und der historische Riebelmais

Den Abschluss der Tour bildet Lauterach, das am Rande eines ausgedehnten Moorgebietes liegt. Das „Lauteracher Ried“ ist eine faszinierende, geschützte Feuchtwiesenlandschaft, in der früher Torf abgebaut wurde. Landwirtschaftlich hat sich Lauterach in den letzten Jahren durch die erfolgreiche Wiederbelebung einer beinahe vergessenen Getreidesorte profiliert: den Vorarlberger Riebelmais. Diese seltene, robuste und sehr helle Maissorte gedeiht prächtig auf den alten Schwemmböden des Rheintals. Aus dem Mais wird ein spezieller Grieß gewonnen, der die Basis für den traditionellen „Riebel“ bildet.

Geschenkkorb

Die Zubereitung dieses deftigen Bauerngerichts erfordert Geduld: Der Grieß quillt zunächst in Milch auf und wird anschließend in einer schweren Eisenpfanne unter ständiger Zugabe von frischem Butterschmalz langsam geröstet, bis er in kleine, goldbraune und knusprige Klümpchen zerfällt. Serviert wird das wärmende Gericht klassischerweise mit selbstgemachtem Apfelmus oder einem Glas kalter Milch.

Das Lauteracher Ried ist ein ideales Terrain für ausgedehnte Spaziergänge oder Radtouren. Für eine Abkühlung an warmen Tagen sorgt der nahegelegene Jannersee, ein sehr gepflegtes Naturbadegewässer. Wohnmobilisten finden in der Umgebung von Lauterach gut ausgebaute Straßen und können für die Nacht entweder auf die landwirtschaftlichen Höfe im Umland ausweichen oder die kurze Strecke zurück zum Seecamping in Bregenz fahren, um den Kreis der Vorarlberg-Tour zu schließen.

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